Brief an eine frischgebackene Mama III

Hallo liebe Mama,
mittlerweile sind schon fast vier Wochen ins Land gegangen und du hattest etwas Zeit dich an dein neues Leben mit Kind zu gewöhnen.
Es hat sich ganz schön viel verändert, oder?
Du weißt nun, warum du vorab den Satz zu hören bekommen hast: »Schlaf noch einmal so viel du kannst.«
Du kennst das Gefühl, trotz bleierner Müdigkeit Höchstleistungen zu verbringen.
Und sicherlich weißt du mittlerweile auch, wie es sich anfühlt, wenn einfach nichts mehr nach Plan läuft … Wäschewachen wird zur Mammutaufgabe. Putzen? Muss mehr als einmal warten. Von Kochen wollen wir gar nicht erst reden. Denn eine warme Mahlzeit zuzubereiten, wird schnell zur unüberwindbaren Hürde. Und wie schön wäre es einfach mal in Ruhe duschen zu gehen …
Doch sollte dir diese Hilflosigkeit, dem Chaos in deiner Umgebung gegenüber, die Tränen in die Augen treiben: ruhig Blut. Es wird wieder besser. Denn du befindest dich gerade in den ersten Wochen einer ziemlich umfassenden und jahrelang andauernden Ausbildung zur Mutter, an deren Ende du zum Organisationstalent mutiert sein wirst. Du wirst mit Leichtigkeit mehr Termine Händeln als viele Top-Manager. Du wirst anhand eines Weinens direkt sagen können ob tröstende Arme oder ermahnende Worte angebracht sind. Du wirst Kommandos brüllen können wie ein Drill Sergeant und tröstende Worte mit der Feinfühligkeit eines Engels. Und das ist nur ein winziger Teil von dem, was zu deinen unzähligen neu erworbenen Fähigkeiten gehören wird. Doch ich glaube, dir ist jetzt schon klar: Die Zeit wird härter sein als jedes Boot-Camp.
Du wirst lernen mit wenig Nahrung auszukommen, weil du vor lauter Kind vergisst zu essen, oder einfach keine Zeit hast. Du wirst lernen, dass ausreichend Schlaf Luxus ist. Doch die Müdigkeit, die dich jetzt schon begleitet wird, nicht mehr so bleiern sein, sondern einfach eine Unannehmlichkeit, an die du dich gewöhnst und die du mit viel Kaffee, schwarzem Tee, Fit-Mach-Smoothies und allen dir zur Verfügung stehenden Mitteln bändigen wirst.
Du wirst das Leben und vor allem die Kleinigkeiten viel mehr zu schätzen lernen. Ein Lächeln, verständnisvolle Worte, tröstende Arme. Aber auch frühere vermeintliche Kleinigkeiten wie Essen gehen oder Kinobesuche wirst du einen vollkommen anderen Wert beimessen. Denn gerade die erste Zeit werden sie ein Luxus sein, denn du dir gönnst und auch gönnen solltest. Denn vor lauter jonglieren mit immer neuen Aufgabenbereichen, darfst du – neben deinem Kind – das wichtigste nicht vergessen: Dich!
Wenn du einen Partner an deiner Seite hast, fordere etwas Freizeit für dich ein. Zelebriere das Duschen und auch das kennenlernen deines neuen Körpers. Er hat sich verändert und vielleicht gefällt er dir nicht mehr so recht. Aber Fettpölsterchen kann man wieder loswerden. Die Haut wird bei ausreichender Pflege auch wieder straffer und deinem Kind ist es letztendlich schnurz egal, wie du aussiehst. Du bist schließlich das tollste Wesen auf der Welt! Dennoch ist das eigene Selbstwertgefühl wichtig. Nimm dir statt in deiner kargen Freizeit den Wischmopp zu schwingen auch mal die Zeit dich zurück zu lehnen und eine Gesichtsmaske aufzulegen. Auch wenn du eigentlich nicht der Typ dafür bist, die Geste zählt. Denn du nimmst dir Zeit für dich. Gerade jetzt werden diese Momente, in denen du mal für ein paar Minuten durchatmen kannst, sehr selten sein.
Es werden noch viele Tränen fließen, von dir, wie auch von deinem Kind. Einfach weil die Entwicklungsschübe, Zähne und ersten Krankheiten an euren Kräften und Nerven zehren werden. Doch halte durch! Du schaffst es. Und du wirst merken, dass du als Mutter mehr aushältst als viele Superhelden, mehr leisten kannst, als viele Leistungssportler und einen stärkeren Willen besitzt als so mancher Überlebenskünstler. Es wird die Zeit kommen, in der du dich nur noch an die schönen Dinge in dieser Zeit erinnern wirst und der Zeitpunkt an dem dein Kind aus dem Haus ist. Und genau dann wirst du auch wissen, was du geleistet hast. Denn du prägst diesen Menschen der in jetzt deinen Armen liegt. Du gibst ihm die wesentlichen Werte mit auf den Weg. Du verleihst im Flügel und Wurzeln. Und genau deswegen machst du das alles. Weil du für diesen kleinen Menschen, das Wichtigste auf der Welt bist.
Also, tief durchatmen, Still-BH richten und weitermachen! 😉

Ich wünsche dir alles Gute und fühle mit dir. Lass dich von deinem Umfeld nicht verrückt machen.
Alles Liebe
Julia

 

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