Brief an eine frischgebackene Mama I

Hallo liebe frischgebackene Mama,
ich glaube, ich brauche gar nicht fragen wie es dir geht.
Du fühlst dich fertig, immer etwas verschwitzt und über die Haare wollen wir erst gar nicht reden.
Aber hey, die erste Hürde hast du gemeistert. Also, klopf dir mal selbst auf die Schulter. Egal ob Spontangeburt oder Kaiserschnitt, dein Körper hat Höchstleistungen vollbracht. Und da ist es auch vollkommen legitim ein wenig zu jammern. Auch ein wenig mehr ist vollkommen in Ordnung. Es werden zwar immer wieder Leute kommen, die dir sagen du sollst dich nicht so anstellen, aber du kannst stolz auf dich sein. Und mal ehrlich, etwas jammern machen alle Mütter. Manche lauter, manche für sich im stillen Kämmerlein.
Auch wenn es nun schon drei Jahre her ist, ich habe es auch getan. Und das nicht im stillen Kämmerchen, sondern mit ganz viel Tränen mitten auf dem Krankenhausbett thronend. Doch nicht nur, dass das Bedürfnis jede Bewegung mit einem schmerzhaften Stöhnen zu begleiten, mich in dieser Zeit permanent verfolgte. Die ersten Tage hatte ich auch ständig das Gefühl in einer seltsamen Parallelwelt gelandet zu sein. Es fühlt sich einfach nicht richtig real an. Damals fragte ich mich, was bei mir schief läuft. Hatte ich doch, kaum würde ich meine Tochter das erste mal und en Armen halten würde, das große Mutterglück-Komplettpaket erwartet. Doch Pustekuchen … Sie war klein, schrumpelig und sah aus wie ein winziger Preisboxer … Von Muttergefühlen war bei dieser ersten Begegnung noch nicht viel im Spiel.
(Und bevor jetzt jemand rätselt: Ja, es war ein Kaiserschnitt.)
Heute mit etwas Abstand ist mir natürlich klar: Auch die Bindung zu einem Kind muss sich erst aufbauen.Denn –  Ja, du hast dieses kleine Wesen monatelang in deinem Bauch mit dir herumgetragen. Es ernährt. Mit ihm durch die Bauchdecke gesprochen. Auf so einiges verzichtet. Und zum Dank für all das fühlst du dich, als hätte man dich mit einem Bulldozer überfahren. Also hey, da kann man die ersten Stunden diesem kleinen Wesen auch mit etwas Skepsis begegnen, bis die Hormone vollständig unseren Körper fluten und wir von 0 auf 100 in den Mamamodus katapultiert werden. Es ist okay, nicht direkt von überschäumender Liebe überflutet zu werden. Das kommt schon noch. Also mach dir deswegen keine Sorgen. Auch das ist normal.
Wenn du also in einem Krankenhausbett liegst, dein Kind auf der Brust und es anschaust, mach dir bitte selbst nicht zu viel Stress. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Keine Mutter ist perfekt. Auch wenn viele gern so tun. Aber du kannst mit der Einstellung an die Sache herangehen, dein Bestes zu geben. Das reicht völlig. Denn durch den Rest beißt du dich dann schon irgendwie durch.
Denn sei dir bewusst, für dieses winzige Wesen wird die Welt so sein, wie du sie ihm zeigst. Für diesen kleinen, atmenden Hauch von einem Menschen bist du ein unbeschriebenes Blatt. Egal was du vorher getan hast, wenn du ihm deine Liebe gibst, wird es mit Liebe in den Augen zu dir Aufblicken.
Dies ist der Zeitpunkt, an dem dein Leben sich für immer verändern wird. Nicht nur weil ausreichender Schlaf nur noch ein Fremdwort sein wird, sondern weil deine Prioritäten plötzlich wild zusammengewürfelt werden, um nach und nach ein vollkommen neues Bild zu ergeben.
Überlege dir genau was du möchtest. Wer du sein möchtest. Denn ab jetzt greifst du nicht mehr nur für dich nach den Sternen, sondern auch für dein Kind. Jetzt kämpfst du nicht mehr nur für dich, sondern für ein weiteres Leben.
Pflastere seinen Weg mit Liebe, denn du wirst sehen das dir dieser neue Teil von dir, all das zurück geben kann, was dir bisher gefehlt hat. Aber denke auch daran, du trägst jetzt die Verantwortung für den wertvollsten Grundstein im weiteren Leben dieses kleinen Menschen: einer glückliche Kindheit.

Alles Liebe,
Julia

 

 

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