Das Leben als berufstätige Mutter: Ja, auch stillen geht

Hallo ihr Lieben,
schön, dass ihr wieder dabei seid. Wie sicher einige von euch wissen, gehöre ich zu der Fraktion, die gerne mal als Milchkühe, Mitglied der Stillmafia, Gluckenmuttis oder einfach pervers, bezeichnet werden. Gemeint ist hier natürlich, dass ich zu den Langzeitstillmüttern gehöre und meine Tochter mit ihren knapp über drei Jahren immer noch stille. Zwar nur zum Einschlafen und nachts, aber darauf wollen wir beide bisher auf keinen Fall verzichten.
Ich könnte euch jetzt einen von rosa Wolken und »alles war immer toll« – Vorschwärmen, aber das war und ist es nun mal nicht. Wie überall gibt es Höhen und Tiefen. Wunde Brustwarzen, ein Abszess durch einen Milchstau, bei dem ich unters Messer musste und schlichtweg einfach Frustration, wenn Madame nahezu die ganze Nacht rumnuckelte und dabei euch gerne mal im Halbschlaf fester mit den kleinen Fingerchen in die Haut kniff und mir den Schlaf raubte. Aber solche Tage und manchmal auch Wochen gehen vorbei. Und die übrige Zeit will keiner von uns zweien missen. Schließlich ermöglicht sie mir auch am WE mal bis 8:00 Uhr zu schlafen, weil das erste Hüngerchen ja schon an der Selbstbedienungstheke gestillt wird.

Eine turbulente Phase, die mir gut im Gedächtnis geblieben ist, war auf jeden Fall auch der Wiedereinstieg in den Job. Meine Tochter war damals 1 Jahr alt und auf den Mittagsschluck wollte sie auf keinen Fall verzichten. Die ersten Tage waren die Hölle. Ich hatte zwar schon vorher weitestgehend auf jegliche »Vormittagssnacks« verzichtet, dennoch fühlten sich meine Brüste spätestens gegen elf an, als wären sie aus Beton. So hatte ich mich nicht mehr seit den Anfängen gefühlt. Es schmerzte, es spannte, doch ich traute mich nicht irgendetwas Milchhemmendes zu nehmen. Schließlich wartete die kleine Dame ja schon auf ihre »Brotzeit« die nicht zu dürftig ausfallen sollte. 😉
Angstvoll versuchte ich jegliches Babywimmern zu vermeiden, aus Angst meinen BH zu fluten. Vergessene Stilleinlagen trieben mir Schweißperlen auf die Stirn. Sobald die Uhr 13:20 Uhr anzeigte, hieß es dann: Raus aus der Arbeit und ab zur Kita. Kind geschnappt, Übergabe absolviert und dann ab auf die Kita-Besuchertoilette. – Nennt es ein übergroßes Schamgefühl, aber nachdem mein Kind über ein Jahr alt war, hatte ich Hemmungen in der Öffentlichkeit zu stillen – Aber naja, die Toilette war sauber und hat Fußbodenheizung, wir hatten also keine Probleme es uns etwas bequem zu machen. Erleichtert spürte ich den Druck schwinden und hörte mein Kind gurgeln und schmatzen. Auch das hatte ich seit den Anfängen nicht mehr gehabt: Ich habe meine Tochter fast in Milch ertränkt. Aber sie war glücklich. Sobald sie die ersten Schritte gehen konnte, stand sie schon erwartungsvoll vor der Toilette und zog mich rein. Also auch sie hatte entsprechend nichts gegen die eigentlich so wenig appetitliche Umgebung.
Bereits nach wenigen Wochen spielte sich das Ganze natürlich ein. Meine Brüste hörten vormittags auf die spannen und ich konnte die Übergabe in der Kita interessiert verfolgen, ohne die Toilettentür dabei zu fixieren wie ein Footballspieler das Tor. Das mittägliche Stillen haben wir in dieser Form auch noch ein Jahr beibehalten. Dann haben wir es langsam und in allgemeinem Einvernehmen abgeschafft.

Für alle Mütter die auch beim Wiedereinstieg in den Job weiterstillen möchten: Es geht. Aber es kann sich bei jedem anders gestalten. Bei uns war es recht unkompliziert und das wünsche ich wirklich jeder Mutter die gerne weiterstillen möchte. Aber es ist klar: Das muss es eben nicht immer sein. Ich hatte das Glück in Teilzeit wieder einsteigen zu können, aber dies ist nach der Elternzeit aus diversen Gründen nicht immer möglich. Je nach Anzahl der Stunden in Fremdbetreuung und den kleinen individuellen Unterschieden, kann es sein, dass es einfach nicht so funktioniert, wie wir es uns in den Kopf gesetzt haben. Es kann zu einem Milchstau kommen, oder vielleicht ist es euch zu stressig und die Milch bleibt plötzlich weg. Vielleicht stellt euer Kind fest, dass es das so nicht mag. Aber auch dann ist es okay.
Stress ist Gift für eine schöne Stillbeziehung. Und bevor es gar nicht geht, lasst lieber das Mittägliche-Stillen, zwischen Tür und Angel, ausfallen und kuschelt euch zuhause gemeinsam auf die Couch. Es soll euch beiden Freude bereiten und niemals zum »Muss« werden. Also probiert aus, was für euch der richtige Weg ist und genießt es, solange es dauert.

Ich wünsche euch alles Gute für den Wiedereinstieg in den Job und würde mich über eure Erfahrungsberichte freuen.

Alles Liebe
Julia

 

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