Das Leben als berufstätige Mutter: Leben im Hier und Jetzt

Hallo ihr Lieben,
schön, dass ihr auch heute wieder dabei seid!
Derzeit sind meine Tochter und ich etwas erkältungsgeplagt, was gerade in den letzten Tagen zu einem massiven Schlafdefizit geführt hat. Es ist normal, dass gerade wenn ich hundemüde bin, die Nerven einmal blank liegen und ich mich immer wieder zusammen reißen muss, damit ich nicht aus der Haut fahre. Mal klappt es besser, mal muss ich den Raum verlassen und kurz durchatmen. So ein Trotzanfall eines Kleinkindes steht eben dem dauerbohrenden Nachbarn mit Schlagbohrmaschine an manchen Tagen fast in nichts nach: Es nervt bis aufs Blut.
Alleine die Unterhemdendiskussion des heutigen Morgens: Prinzessin, Biene Maja oder doch Eiskönigin?
Am liebsten wäre ich zurück ins Bett, hätte mir die Decke über den Kopf gezogen und hätte der Welt den Mittelfinger gezeigt.
Aber nein, wir haben dann doch eine einvernehmliche Lösung gefunden. Sie hatte Zeit zu wählen, bis ich vom Hund füttern zurück war, dann hätte ich ausgesucht. Es wurde übrigens, wenig überraschend,  das Eisköniginnenunterhemd.

Wir haben jedoch unsere Rituale, die uns auch an solchen Tagen gut durch den Tag geleiten. So auch das Schlafen gehen. Seit meine Tochter auf der Welt ist, bringe ich sie jeden Abend ins Bett. Ja, ihr habt richtig gelesen: Sie ist über drei und schläft abends immer noch nicht alleine ein. Aber das muss sie meiner Meinung nach auch nicht. Wir genießen das Lesen, in den Schlaf Singen und Kuscheln. Aber gerade in den letzten Tagen, als ich doch länger liegen bleiben musste, da mein Kind dank Erkältung nicht innerhalb von 10 min eingeschlafen ist, wurde mir eins bewusst: Vor lauter Planung und Hektik verpasse ich manchmal richtig schöne Momente. Denn ich bin geistig schon mit der To-do-Liste des Abends beschäftigt, während ich zum 5 x »You Are My Sunshine« singe, oder »Schlaf Kindlein Schlaf«, oder eben ein anderes Lied aus unserem Standardrepertoire. Das ist eben auch der Nachteil von Routinen, man ist nicht mehr immer mit dem Kopf dabei …
Wie ihr wisst, schreibe ich ja nebenher Bücher und bin auch bei den Wortstürmern unterwegs. Daher ist die Zeit, wenn das Kind schläft bis zu dem Zeitpunkt, wenn mein eigentlicher Feierabend beginnt, auch ziemlich verplant. Ich wartete also an diesem Abend darauf, dass sie endlich einschläft. Ungeduldig und schon fast mit den Zähnen knirschend. Ich wollte endlich an die Arbeit, damit ich mit meinem Mann im Anschluss wenigstens noch den Anfang des neuen StarWars-Teils sehen konnte. Da spürte ich plötzlich eine kleine Hand auf meiner Wange. Meine Tochter schaute mich mit schläfrigen Augen an und sagte: »Mama, ich liebe dich. Du bist meine beste Freundin.« Dann kuschelte sie sich wieder an mich, machte die Augen zu und war 10 Minuten später endlich eingeschlafen. In diesem Moment hatte ich Tränen in den Augen, ein schlechtes Gewissen und die nächsten Minuten verbrachte ich damit, mir zu überlegen, wie blöd ich mich verhielt. In absehbarer Zeit wird mein Kind aus unserem Familienbett ausziehen und in ihrem eigenen Bett schlafen.  – Auf eigenen Wunsch, sie möchte jedoch noch die Zeit bis sie in den Kindergarten Ende des Sommers geht. – Und dann werden die Erinnerungen, wie sie in meinen Armen in unserem gemeinsamen Bett eingeschlafen ist, dass einzige sein, was mir von dieser Zeit bleibt. Statt diese Momente, an solchen etwas länger andauernden Abenden, wie ein notwendiges Übel hinter mich zu bringen, sollte ich sie sammeln wie kostbare Juwelen. Genau SOLCHE wunderschönen Momente, die mir sogar die Tränen in die Augen treiben. Dann wurde mir zudem bewusst, dass hier nicht nur der Abend betroffen ist.
Es zieht sich als roter Faden durch den ganzen Tag …

Ich habe einen ziemlich genauen Tagesplan, schließlich muss ich ja alles irgendwie hinbekommen. Alles ist genau getaktet und organisiert. Ich habe mir bewusst Zeit für meine Kleine eingeplant, damit sie zwischen den ganzen täglichen Arbeiten nicht zu kurz kommt. Und es kommt auch nicht selten vor, dass ich einfach auf alles Pfeife und wir eben noch etwas zusammen unternehmen. Dennoch nehme ich mir leider oft genug nicht die Zeit bestimmte Augenblicke zu genießen und Erinnerungen zu sammeln. Während wir Puzzeln, basteln oder Malen beschäftigen ich mich nicht selten geistig bereits mit der Zubereitung des Abendessens, der nächsten Maschine Wäsche oder wie aktuell, den Steuerunterlagen die ich noch fertig machen muss. Das macht mich jetzt, auf jeden Fall in meinen Augen, nicht zu einer schlechten Mutter. Es ist einfach eine Angewohnheit, die man sich bereits lange vor dem Elterndasein angewöhnt. Ständig ist man schon beim nächsten Schritt. Hetzt von einem Ziel zum nächsten.
Das sorgt aber leider in diesem konkreten Fall dafür, dass die Schatzkiste meiner Erinnerungen nicht so viele Kostbarkeiten enthalten wird, wie sie könnte. Manche schöne und auch unwiederbringliche Momente gleiten mir einfach durch die Finger.
Lächelnd sehe ich das Bild des ersten selbstgemalten »Tigers« meiner Tochter, das an der Seitenwand der Mikrowelle heftet. Der Moment des Malens, ist jedoch nur noch undeutlich in meinem Gedächtnis und traurigerweise weiß ich jetzt schon, dass er noch mehr verblassen wird. Weil ich ihn in diesem Moment nicht bewusst festgehalten habe.

Wie spitzt mein Kind die Lippen, bevor es mir einen feuchten, aber herzlichen Kuss gibt?
Wie sieht sie aus, wenn sie konzentriert ein Puzzle macht?
Die halbe Grimasse beim ersten Versuchen mit der Zunge zu schnalzen.
Im Fall meiner Tochter auch die plötzliche Stille, wenn man beginnt, ihre Füßchen zu massieren. (Ja, sie hat einen Ausknopf. 😀 )

Die Liste ist fast unendlich. Denn unsere Kinder machen und lernen so viel und wir werden viele dieser Augenblicke einfach im Strom der Zeit verlieren, weil wir mit dem Kopf viel zu selten im Hier und Jetzt sind. Wir nehmen es als selbstverständlich und schon ertappen wir uns bei: Wie war das noch mal?
Wir können nicht verhindern, dass die Zeit vergeht, dass unsere Kinder größer werden und dann irgendwann erwachsen. Aber wir können in unseren Erinnerungen viele kleine Momente festhalten, an die wir uns später lächelnd erinnern können. Und vielleicht können wir auch in einigen Jahrzenten mit strahlenden Augen, weil wir die Erinnerung direkt vor uns sehen, unseren Enkelkindern sagen: »Deine Mama hat früher genau so ausgesehen …«
Ich hoffe darauf und werde mein Bestes dafür geben.

Alles Liebe
Eure Julia

 

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