Die Sache mit dem Töpfchen

(Bild: olga meier-sander  / pixelio.de)

Kaum sind die ersten Schritte getan und die ersten verständlichen Zweiwortformulierungen kommen über die Lippen, stellt sich die Frage nach der nächsten großen Hürde: Das Töpfchen.

War ich stolz, als meine Maus zum ersten Mal ihr großes Geschäft in ihrem lila Plastikthron platzierte. Bald würden die lästigen Windeln der Vergangenheit angehören! Und das noch vor ihrem zweiten Geburtstag.
Zeitweilig erreichten wir eine wirklich gute Quote und fast 90 % des großen wie kleinen Geschäfts landeten nicht in der Windel. Mit stolz geschwellter Brust beantwortete ich die Frage der anderen Mamas mit: Ja, sie geht schon aufs Töpfchen!

Und dann war es auch schon wieder vorbei. Das Töpfchen war plötzlich wieder uninteressant und die Windel wurde wieder das Mittel der ersten Wahl. In der Kita wird zwar weiterhin mit den anderen Kindern zusammen der Plastikthron genutzt. Zuhause aber lieber die Knete mit angestrengtem Gesicht zerdrückt, während die Hinterlassenschaften in den Windel landen.
Ein wenig enttäuscht war ich im ersten Moment schon. Hatte ich mich doch so gefreut. War ich doch so stolz. Und habe ich doch die Blicke der anderen Mütter ein klein wenig genossen.

Ich musste mich dann jedoch selbst wieder an einen meiner obersten Leitsätze erinnern: „Mein Kind macht alles in ihrem eigenen Tempo. Und das ist auch gut so!“

Im Durchschnitt werden Kindern mit 28 Monaten tagsüber trocken und mit 33 Monaten nachts. Die einen Kinder sind früher dran, andere brauchen länger.
Die kleine Maus lernt jeden Tag etwas Neues. Neue Wörter kommen hinzu. Es wird versucht, die Kleidung selbst anzuziehen – das klappt zwar nicht immer, aber sie lässt sich nicht entmutigen und versucht es immer wieder aufs Neue. Die Margarine darf Mami auch nicht mehr aufs Brot schmieren. Und Eier schälen geht auch schon selbstständig.
Ist das etwa nichts?  Also warum sollte ich enttäuscht sein? Ihre Prioritäten liegen einfach an anderer Stelle. Warum wird dann solch ein Druck aufgebaut? Warum müssen Kinder so früh wie möglich durchschlafen? So früh wie möglich krabbeln und laufen? Die „Müssen“-Liste ist lang. Wann haben wir angefangen die Ansprüche unserer Leistungsgesellschaft an uns Erwachsene, auch auf die Kinder zu übertragen? Ich weiß es nicht. Sicherlich war das schon zu den Zeiten unserer Eltern so. Aber ich habe keine Lust den Druck, der von Medien und auch anderen Eltern aufgebaut wird, an mein Kind weiter zu geben. Sie muss nicht immer ganz vorne mit dabei sein. Natürlich, bei manchen Dingen ist sie schneller, als andere. Bei manchen Dingen eben nicht. Dennoch ist und bleibt sie mein Sonnenschein. Mit ihrem ganz eigenen Charakter und ihrem eigenen Temperament.

Ich habe mir vorgenommen, dass meine Tochter ihre Entwicklungsschritte mit Spaß meistern kann. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, dem Blick auf andere Kinder und einem »Du musst!«. Der Leistungsdruck der bei uns vorherrscht ganz vorne mit zu mischen, wird sie noch früh genug ausgesetzt sein. Bis dahin hat sie aber mit Sicherheit gelernt, dass es auch in Ordnung ist, Sachen ein zweites oder ein drittes Mal in Angriff zu nehmen. Dass es in Ordnung ist, um Hilfe zu bitten. Oder einfach einmal zu scheitern. Denn Scheitern ist kein Problem, sondern aufgeben. Wenn sie aber lernt, dass es für manche Dinge einfach noch nicht an der Zeit ist und sie diese später noch einmal versuchen kann, gibt es keinen Grund aufzugeben.

Und die Sache mit dem Töpfchen? Wird schon noch werden. Ganz ohne Stress. 🙂

 

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