Holt die Mistgabeln raus, denn: Ja, ich habe ein Kita-Kind!

Hallo ihr Lieben,
das Thema hat mich heute Morgen dann doch ziemlich beschäftigt, nachdem unten stehender Auszug aus der Frankfurter Rundschau auf einer Facebook-Seite zur Diskussion freigegeben wurde:

Man suggeriert den Eltern, dass ihre Kleinkinder in der Krippe bessere Entwicklungschancen hätten als in der Familie. Das ist eine riesengroße Volksverdummung. Für kleine Kinder ist es entscheidend, dass ihre Eltern viel Zeit mit ihnen verbringen. In den ersten drei Jahren geht es einzig und allein um emotionale Nähe. Ralph Dawris Professor für Neurobiologie Universitätsklinikum Erlangen.
Quelle: Frankfurter Rundschau 2012

Zu Beginn, ich bin eine Kita-Befürworterin – vorausgesetzt der Betreuungsschlüssel stimmt und man hat vom Fachpersonal, der Einrichtung und auch der Leitung einen guten Eindruck und ist mit deren Leistungsangebot zufrieden. Deswegen hab ich dem Thema ja auch ein Kapitel in meinem Buch gewidmet.
Ich finde es jedoch mehr als Schade, dass Eltern die keine Wahlmöglichkeit haben ein schlechtes Gewissen eingeredet wird. Nicht jeder hat den Luxus, dass ein Gehalt ausreicht. Den Münchner unter euch, erzähle ich da sicher nichts neues. 😀
Es gibt jedoch durchaus Studien die belegen, dass Kindern die früh in die Kita kommen – jedoch nicht vor dem ersten Lebensjahr – hinterher weniger Verhaltensauffälligkeiten und eine bessere Entwicklung zeigen. Denn man sollte auch bedenken, dass nicht jede Mutter die ihr Kind zu Hause betreut bereit ist oder die Möglichkeit hat ihm das gleiche Programm und Fördermöglichkeiten zu bieten, welches in der Kita zum Alltag gehören.
Aber genau so gibt es, wie sich jeder denken kann, unzählige Studien, die das Gegenteil aussagen und nach denen man möglichst auf jede Fremdbetreuung verzichten soll. Gemeinsam haben beide Seiten leider häufig, dass Äpfel mit Birnen verglichen werden und die Untergliederung zumeist nicht über die sozialen Schichten hinaus geht. Sie berücksichtigen nicht, welche Gedanken sich die Eltern vorab gemacht haben, die der Alltag aussieht und um welche Charaktere es sich bei den Befragten handelt.  Denn wichtig ist das Gesamtpaket.

Eine der Voraussetzung für einen positiven Kita-Aufenthalt ist ganz klar, dass Eltern sich auch kritisch mit den einzelnen Kitas auseinandersetzen und sich ggfs. auch in privaten Einrichtungen umsehen. Es bringt rein gar nichts das Kind in eine Einrichtung zu geben, bei der man selbst ein schlechtes Gefühl hat und jedes Mal mit sich hadert, wenn man das Kind dort abgibt. Auch wenn sich später herausstellt, dass es nicht passt, sollte man vor einem Wechsel nicht zurückschrecken.

Ich finde es bedenklich, dass bei den immer wieder auftretenden Diskussionen häufig verallgemeinert wird. Eltern, die ihr Kind Fremdbetreuen lassen, sind schlichtweg die »Bösen« die es falsch machen. Da interessiert es weder in welcher Einrichtung das Kind betreut wird, noch die persönliche Situation, noch das Verhältnis zwischen Eltern und Kind. Denn man kann auch als berufstätige Mutter einem Kind sehr viel Nähe geben und eine sehr gute Bindung zu seinem Kind haben.
Langes Stillen und Familienbett sind nur zwei Beispiele dafür eine innige Beziehung zu begünstigen. Auch gemeinsames und häufiges Lesen mit Kuscheln, gemeinsame Malzeiten und Rituale  stärken die Bindung. Wenn ich aber allgemein keinen Wert auf so etwas lege, mein Kind vor dem Fernseher ablade oder Spielplätze und frische Luft einfach nur doof finde, brauche ich mich – ob Kita oder nicht – nicht wundern, wenn die Bindung zu meinem Kind nicht allzu eng ist. Dann liegt es aber nicht an der Fremdbetreuung.

Es gibt auch immer wieder Stimmen, die vor der Angst und dem Stress in während der Eingewöhnung warnen. Natürlich, die Eingewöhnung ist in einer Kita immer eine turbulente Zeit, deswegen wird diese aber auch Schritt für Schritt durchgeführt, damit das Kind KEINE Verlustängste entwickelt. Toll ist jedoch, wenn hier überwiegend Mütter urteilen, die die Erfahrung selbst nur vom Hörensagen kennen.
Die Ängste und Stress gehen bei einer gefestigten Bindung nämlich – nach meiner Erfahrung – häufig nicht vom Kind aus, sondern von der Mutter, die genau durch solch ein eingeredetes schlechtes Gewissen unter Druck gesetzt wird. Suggeriert die Mutter dem Kind hingegen „Es ist okay“ und berücksichtigt das Tempo das ihr Kind zur Eingewöhnung braucht, dann ist es für das Kind auch meist in Ordnung. Und ja, ich spreche da aus eigener Erfahrung und habe ein Kind das wahnsinnig gerne in die Kita geht.

Mit Betreuerinnen habe ich im übrigen bisher ebenfalls nur positive Erfahrungen gemacht und frage mich, warum deren Arbeit so oft abgewertet wird. Ja, sie sind oft unterbezahlt, aber bedeutet das zwangsläufig, dass sie ihren Job nicht gerne und gut machen? Und natürlich ist es für sie oft stressig und die Damen und Herren müssen wirklich Nerven aus Stahl haben. Aber wenn meine Tochter bei der Aufzählung der liebsten Menschen neben uns, Omi und Opi auch ihre Betreuerinnen mit aufzählt (ok, zwei von drei 😉 ) ist in meinen Augen klar, dass die Damen etwas verdammt richtig machen.

Fazit:
Wenn Eltern ihr Bestes geben, damit ihr Kind gut betreut wird – egal ob sie dies Selbst tun, die Großeltern, Tagesmutter oder eben Kita, brauchen sie sich von NIEMANDEM ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen.

 

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